50 Jahre Jugendorchester Kronach

Zeitungsbericht Fränkischer Tag / infranken.de
Autor: red
Kronach, Sonntag, 28. Sept. 2014


Jugendorchester Kronach auf Konzertreise in Ungarn

Wiener Schnitzel schmeckt immer. Dies stellten Sebastian und seine Kollegen vom Jugendorchester Kronach bei einem Besuch der ungarischen Partnerstadt Kiskunhalas fest. Und sie entdeckten noch mehr.

Dienstag früh um 3 Uhr vor den VHS-Gebäuden. Einzelne Spätheimkehrer wundern sich über den Menschenauflauf mit vielen Instrumenten und Koffern, selbst die Polizei. Was ist da los? Der elfjährige Sebastian Hoffmann erklärt freudestrahlend allen Umstehenden den Grund dieser Zusammenkunft zu nachtschlafender Zeit: "Super, bald geht es los. Meine erste Konzerttournee mit dem Jugendorchester Kronach nach Ungarn!"

Sebastian Hoffmann

Sebastian Hoffmann

Nachdem das Gepäck der 33 Mitreisenden verladen ist, startet die zwölfstündige Busreise gen Budapest. Die Stimmung ist famos; denn durch Karten- und Würfelspiele sowie diverse lustige Sprüche vergeht die Zeit wie im Flug. Kurzer Zwischenstopp an der ungarischen Grenze: Ein ausgedientes Pferdefuhrwerk dient als Anrichte für das mitgebrachte kalte Büfett. Nachdem die Musiker im Drei-Sterne-Hotel angekommen und die Zimmer bezogen sind, stärkt man sich bei einem deftigen Abendessen: Wiener Schnitzel.

Pulsierendes Leben
Dieses ist für den nun folgenden, mehrstündigen Spaziergang durch die ungarische Landeshauptstadt entlang des Donauufers überlebensnotwendig. "Schau mal da, die vielen festlich beleuchteten Brücken", staunt Moritz, Zimmerkollege von Sebastian. "Und dort spielt eine Band!", ruft ihm dieser aufgeregt entgegen. Auch die restliche Reisegruppe ist hellauf begeistert - einerseits von dem pulsierenden Nachtleben, andererseits von der entspannten Atmosphäre der Großstadt.

Nach der ersten, kurzen Nacht im Hotel werden die Musiker von Anna Péter auf dem Heldenplatz, dem Wahrzeichen Budapests, schwungvoll begrüßt. Energisch dirigiert sie die Gruppe zu allerlei Sehenswürdigkeiten wie das Stadtwäldchen mit verträumtem Schloss und prunkvollem Thermalbad. Den Höhepunkt des Tages bildet jedoch die Panoramaschifffahrt auf der Donau. Mit zahlreichen Eindrücken und Souvenirs beladen geht es zurück zum Hotel. Bevor der Bus am nächsten Nachmittag weiter zur Partnerstadt Kronachs, Kiskunhalas, fährt, führt die Dolmetscherin Anna Péter trotz Regens in gewohnt enthusiastischer Weise durch das Burgviertel samt Matthiaskirche und Fischerbastei. Ein Regenschirm: 1000 Forint. Nächste Haltestelle auf dem Weg: die Eisdiele. Weit über 40 Sorten. Da bleiben keine Wünsche offen.

Neue Kontakte
Ankunft im geschlechtergetrennten Internat in Kiskunhalas, in dem nicht nur das Jugendorchester, sondern auch Tanz- und Folkloregruppen aus den anderen Partnerstädten in Lettland, Serbien und Rumänien untergebracht sind. Durch gemeinsame Unterkunft und Essenszeiten entstehen neue Kontakte, wobei viel mit Mimik und Gestik gearbeitet werden muss, wenn die Englischkenntnisse versagen.

Am darauf folgenden Tag werden die Städtedelegationen der einzelnen Länder im Rahmen eines EU-Projekts im Kulturhaus begrüßt. Hierbei stellt Hubert Zapf, Beauftragter für die Städtepartnerschaften, mittels einer Fotoleinwand Kronach, insbesondere die Veste Rosenberg, vor. Mittagessen im Offiziersclub: Wiener Schnitzel inklusive Vorspeise und Dessert. "Auf geht's in die Puszta", jubelt Basti, der kleine Schlagzeuger. Dort angekommen steigt man vom Bus auf Kutschen um. Über Stock und Stein gelangen die Kronacher zuerst in ein Heimatmuseum. Bei Untermalung durch Musik auf originalgetreuen Instrumenten lernen sie interessante Details über das einfache Leben der Hirten kennen. Nachdem jeder die Pusztatiere wie Wollschwein und Graurind angeschaut hat, erwartet die Reisegruppe eine tollkühne Reitervorführung. Eingedeckt mit Reiterpeitschen, Fotos und zahlreichen Eindrücken von der Natur kehrt das Orchester ins Schülerwohnheim zurück. Zum Abendessen gibt es - welche Überraschung - Wiener Schnitzel!

Abwechslungsreiches Repertoire
Am Abend steht ein Konzert im Rahmen des Weinlesefests auf dem Programm. Das Jugendorchester begeistert mit seinem abwechslungsreichen Repertoire. Nach mehreren Zugaben fängt der gemütliche Teil des Abends an, bei dem verschiedene ungarische Weine und Spezialitäten verkostet werden. Ein weiteres musikalisches Highlight stellt die Begrüßung der Gäste zum offiziellen Empfang der Stadt Kiskunhalas am nächsten Morgen dar. Nach einer kurzen Mittagspause geht es weiter zum Festumzug anlässlich des Weinfests. Mit etwa einstündiger Verspätung setzt sich der farbenfrohe Zug in Bewegung. Ungewohnt viele Stopps dank der Tanzeinlagen der Folkloregruppen sorgen für zusätzliche Verzögerungen auf dem Weg zum Festplatz.

Festumzug

Das Jugendorchester beim Festumzug

Vorfreude auf die nächste Fahrt
Mit vielen Eindrücken aus dem neuen fremden Land macht sich die Reisegruppe wieder auf den Nachhauseweg. Beim Abendessen - diesmal kein Wiener Schnitzel - bedankt sich Vorsitzender und Organisator Günter Soja bei den beiden ungarischen Schülerinnen Flora und Mônika für die Unterstützung und Dolmetschertätigkeiten während des Aufenthalts in Kiskunhalas. "Ey, des war echt klasse!", ruft der kleine Basti seiner Mutter bei der Ankunft in Kronach zu, "und nächstes Jahr fahr 'mer nach Schottland!"

Gruppenfoto JO Ungarn

Gruppenfoto des Jugendorchesters in Ungarn